Ein Mietshaus in Berlin, Ende des 19. Jahrhunderts: Auf dem Dachboden hat der ehemalige Theaterdirektor Hassenreuter seinen Fundus eingerichtet und erteilt Schauspielschülern Privatunterricht. Währenddessen kauft Frau John dem schwangeren Dienstmädchen Pauline Piperkarcka ihr ungewolltes Kind ab und präsentiert es nach der Geburt als ihr eigenes.
Doch das von Sehnsucht und Angst getriebene Dienstmädchen bereut das Geschäft und fordert ihr Kind zurück. Frau John gerät in Panik. Sie vertauscht das „eigene“ Kind mit dem todkranken Baby einer Nachbarin. Als die Wahrheit nicht länger verheimlicht werden kann, nimmt das Unglück seinen Lauf.
Meisterhaft verbindet Hauptmann die komisch-satirischen Szenen um die Künstlerfamilie auf dem Dachboden mit dem sozialen Drama der beiden Frauen im Erdgeschoss. Die Baufälligkeit der Berliner Mietskaserne und die Ratten, die an ihrer Substanz nagen, werden zum Symbol für den Verfall der alten Ordnung, ihre Bewohner zum Abbild der Gesellschaft in einer Zeit des Umbruchs. Gerhart Hauptmann hat mit Die Ratten sein erfolgreichstes, auf deutschen Bühnen meistgespieltes und noch immer aktuellstes Werk geschrieben, Tragikomödie und Großstadtkrimi in einem.