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Die Scheinehe

Uraufführung/Premiere am 19. Dezember 2017
Die Operette „Der Graf von Luxemburg“ erzählt von einem verarmten Grafen, der eine Scheinehe eingeht, um einer Unbekannten den Adelstitel zu verschaffen. Durch die Inszenierung von Jens-Daniel Herzog erhält die Geschichte neuen Esprit und bietet eine Mischung aus Komik und Nachdenklichkeit.
© Hans Jörg Michel

Die Handlung der Operette „Der Graf von Luxemburg“ ist banal und eigentlich Schnee von gestern: Ein verarmter Graf geht gegen Bezahlung eine dreimonatige Scheinehe mit einer Unbekannten ein, um ihr den Adelstitel zu verschaffen und es ihr so zu ermöglichen, einen reichen Aristokraten zu heiraten. Jens-Daniel Herzog verleiht nun in seiner Inszenierung mit Hilfe kleiner Aktualisierungen der etwas angestaubten, ehemals sehr beliebten Operette den nötigen Esprit. Gleich zu Anfang versetzt er uns in das Dachatelier eines mittellosen Künstlerpaares. Florian Simson als Armand Brissard mit Punkfrisur tobt sich mit wilder Farbmalerei in einer Mischung von Action- und Bodypainting aus. Seine Muse Lavinia Dames als Juliette Vermont, die zugleich Zofe bei dem gefeierten Bühnenstar Angèle Didier ist, versucht ihm derweil, die Ehe schmackhaft zu machen. Angèle Didier wiederum ist die Angebetete des reichen russischen Aristokraten Fürst Basilowitsch, der von einem Dreigestirn von Bodyguards slapstickartig begleitet wird und die in ihrem Gebaren an Mafia-Strukturen denken lassen. Fürst Basilowitsch ist es auch, der den Grafen von Luxemburg zur Zeithochzeit überredet. Kaum ist die Geldübergabe vonstattengegangen, schon gibt der Graf es mit vollen Händen für sein Bohèmeleben aus, an dem auch Juliette und Armand teilnehmen.

Zur Hochzeit findet man sich konspirativ-vertraulich in einem Abbruchhaus ein. Der Graf entschwindet in einem Nebenzimmer, da er die Braut nicht sehen soll. Durch ein Loch in der Wand, das ein Bodyguard kurzerhand mit der Faust eingeschlagen hatte, reicht man sich die Hand zum Ringetausch. Allein diese kurze Berührung reicht aus, um beim Grafen und bei Angèle tiefe Gefühle auszulösen. Und dann der Duft von Trèfle Incarnat, der den Grafen schließlich zu Angèle Didier führt und zu den Dilemmata, wie die dem Fürsten gegebenen Versprechen aufzulösen sind.

Im zweiten Akt wird eine Drehbühne eingesetzt, die es im schnellen Wirbel ermöglicht, gleichzeitig die Geschehnisse hinter der Bühne, im Foyer, der Cafeteria, der Garderobe des Theaters, in dem Angèle ihre Abschiedsvorstellung gibt, zu beobachten. Oliver Breite tritt hier als zum Hausdrachen verkleideter Pförtner das erste Mal auf, um später in der Hotelszene in mehreren Rollen das komische Hotelfaktotum zu spielen. Nicht nur die zueinander gefunden Liebespaare finden sich im selben Hotel zum Stelldichein ein, sondern auch die Gräfin Stasa Kokozowa, brillant verkörpert von Noëmi Nadelmann. Die Ruhe selbst, beklagt sie nicht nur hinreißend langsam die Schnelllebigkeit der Zeit, sondern übt auch in dem mit neuem Text versehenen Couplet „Was ist das für’ne Zeit“ aktuelle Zeitkritik. Sehr selbstbewusst weiß sie ihre Rechte durchzusetzen, zur Not mit Waffengewalt fordert sie das Heiratsversprechen beim Fürsten Basilowitsch ein. Und so löst sich denn zu guter Letzt alles in Wohlgefallen auf.

Die Inszenierung entfacht ein Feuerwerk an komischen Einfällen, lässt aber auch nachdenkliche Sequenzen zu. Die Besetzung ist ideal und lässt weder gesanglich noch darstellerisch zu wünschen übrig. Auch musikalisch wird von den Düsseldorfer Symphonikern unter der Leitung von Patrick Francis Chestnut jegliche Süßlichkeit vermieden. Lediglich der Chor hätte beim Eingangslied „Karneval, ja du allerschönste Zeit“ etwas verständlicher singen können und die Ballettszenen sind etwas beliebig.

Eine temporeiche, gute Laune machende Inszenierung, und so nimmt es nicht Wunder, dass sie vom Publikum begeistert aufgenommen wurde.

Mitwirkende

Kay Stiefermann(Schauspieler/in)
Romana Noack(Schauspieler/in)
Florian Simson(Schauspieler/in)
Lavinia Dames(Schauspieler/in)
Johannes Preißinger(Schauspieler/in)
Noëmi Nadelmann(Schauspieler/in)
Luis Fernando Piedra(Schauspieler/in)
David Jerusalem(Schauspieler/in)
Karl Walter Sprungala(Schauspieler/in)
Oliver Breite(Schauspieler/in)
Volker Kiefer(Schauspieler/in)
Dae-Il Park(Schauspieler/in)
Sylwia Siwak(Schauspieler/in)
Sibylle Eichhorn(Schauspieler/in)
Kati Farkas(Choreografie)
Anne do Paço(Dramaturgie)
Hans-Peter Frings(Dramaturgie)
Tibor Torell(Bühnentechnik)

Spielzeiten

Dienstag, 19. Dezember 2017 (Premiere / Uraufführung)

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