Das Herzstück der 14. St.Galler Festspiele ist Giuseppe Verdis Il trovatore als Freilichtproduktion. Der Ort im Herzen des Unesco-Weltkulturerbes Stiftsbezirk St.Gallen ist wie geschaffen für das düstere, emotionsgeladene Nachtstück mit vielen Außenszenen. Der Regisseur Aron Stiehl und sein Bühnenbildner Frank Philipp Schlössmann zeigen auf der großen Festspielbühne eindrucksvoll die Allgegenwart des Todes. Die musikalische Leitung hat Michael Balke, der Erste ständige Gastdirigent des Theaters St.Gallen.
Mit dem 1853 in Rom aufgeführten Trovatore weichen die St.Galler Festspiele für einmal vom gängigen Programmkonzept ab, um auf dem Klosterhof Opern-Raritäten zu präsentieren. Die Handlung dieser begeisternden Oper drängt aber förmlich auf den Klosterhof. Der geschichtsträchtige Ort mit seinem Ambiente ist der ideale Schauplatz für dieses Werk, dessen zündende Musik mit zahlreichen Hits gespickt ist. Gleichzeitig setzt das Theater St.Gallen damit auch an den Festspielen seine Verdi-Tradition fort.
In der Geschichte um den Bruderzwist zwischen dem Grafen Luna und dem Troubadour Manrico hält Regisseur Aron Stiehl den Aspekt der kulturellen Prägung für zentral und bemerkenswert modern: Manrico und Luna sind dazu erzogen worden, im jeweils anderen ein Feindbild zu sehen, obwohl sie eigentlich Brüder sind. Die kriegerischen Auseinandersetzungen zeigt Bühnenbildner Frank Philipp Schlössmann nicht im realistischen Sinn mit einem Schlachtfeld. Eine Art Soldatenfriedhof und ein gigantischer Todesengel stehen für die Allgegenwärtigkeit des Todes.
In der Tanzproduktion der 14. St.Galler Festspiele spürt der japanische Choreograf Yuki Mori mit der Tanzkompanie des Theaters St.Gallen der Sehnsucht nach. Sein Stück Desiderium ist eine tänzerische Auseinandersetzung mit der Sehnsucht nach Erkenntnis, Erleuchtung, Religion und Glauben an dem Ort, an dem der Wandermönch Gallus vor 1400 Jahren seine Ruhe fand. Musikalisch begleitet wird die Tanzkompanie von Domorganist Willibald Guggenmos und dem Modulor Quartett.
Inspiriert von der Architektur und Spiritualität der Kathedrale, widmet sich der japanische Choreograf in seinem Tanzstück Desiderium urmenschlichen Regungen. Der Begriff „Desiderium“ steht für Verlangen, Forderung, Wunsch, Sehnsucht – für die Sucht zu sehnen. „Es ist ein menschliches Verlangen, vom Dunkel ins Helle zu gehen oder von einer Enge in die Weite, das Licht am Ende des Tunnels oder Lösungen für Probleme zu suchen“, sagt Yuki Mori.
Die Choreografie wird von einem musikalischen Programm begleitet, das Kompositionen von Philip Glass, Sergei Rachmaninow und Maurice Duruflé beinhaltet. Die filigranen und minimalistischen Kompositionen von Philip Glass, gespielt vom Modulor Quartett, werden einen musikalischen Kontrapunkt zur Üppigkeit des barocken Kirchenraums setzen. Der St.Galler Domorganist Willibald Guggenmos spielt Orgelwerke und -bearbeitungen von Sergei Rachmaninow und Maurice Duruflé.
Die dritte Programmschiene der St.Galler Festspiele bildet das Konzertprogramm, welches das Themenfeld der Festspieloper aufgreift: die faszinierende Welt der singenden höfischen Dichter, Troubadoure und Minnesänger. In verschiedenen Räumlichkeiten des Stiftsbezirks präsentieren wechselnde Formationen von internationalem Renommee Musik aus mehreren Jahrhunderten, von der frühesten französischen Minnedichtung über den bedeutendsten deutschsprachigen Minnesänger Oswald von Wolkenstein bis zum Folk der 1970er-Jahre. Im abschließenden Festkonzert erklingt Anton Bruckners Sinfonie Nr. 7 E-Dur; das Sinfonieorchester St.Gallen steht unter der Leitung seines Chefdirigenten Modestas Pitrenas.
Weitere Infos unter www.stgaller-festspiele.ch.

