Von allen verspottet und verlacht, jagt Kowaljow wie in einem Albtraum dem unabhängig gewordenen Körperteil hinterher, bekommt es jedoch nie zu fassen. Endlich wird ihm die Nase vom Polizeioberhauptmeister höchstpersönlich zurückgebracht, doch will sie nicht im Gesicht haften bleiben! Nach weiteren demütigenden Erfahrungen befindet sich der widerspenstige Gesichtserker schließlich so plötzlich, wie er verschwunden war, wieder an seinem Platz – wo er hoffentlich auch bleibt.
Steppende Nasen, fahrende Rikscha-Tische, knallbunte Kostüme zwischen Folklore und Historismus in einem kühlen, trotz seiner Größe klaustrophobisch wirkenden Raum – Barrie Kosky inszeniert die surrealistische Geschichte um die Verlustängste und die Paranoia eines kleingeistigen Emporkömmlings als revueartiges Kaleidoskop der Eitelkeiten, eine verstörende Mischung aus Wozzeck und Alice im Wunderland.
Als Don Giovanni gibt er den exaltierten bösen Clown, als jugendlicher Onegin verspielt er sein Liebesglück – nun zeigt Ensemblemitglied Günter Papendell eine weitere Facette seines Könnens: als eitler, nasenloser Kollegienassessor Kowaljow in Dmitri Schostakowitschs eigenwilliger Vertonung der grotesk-absurden Erzählung von Nikolai Gogol. Barrie Koskys umjubelte Inszenierung am Royal Opera House Covent Garden ist nach einer Zwischenstation in Sydney nun auch in Berlin zu erleben.
Nach der gleichnamigen Erzählung von Nikolai W. Gogol [1930]
Libretto von Dmitri D. Schostakowitsch, Jewgeni I. Samjatin, Georgi D. Ionin und Aleksandr G. Preis. Deutsche Textfassung von Ulrich Lenz. Koproduktion mit The Royal Opera House Covent Garden, der Opera Australia und dem Teatro Real, Madrid.
Musikalische Leitung: Ainārs Rubiķis. Inszenierung: Barrie Kosky. Choreographie: Otto Pichler. Bühnenbild und Licht: Klaus Grünberg. Co-Bühnenbild: Anne Kuhn. Kostüme: Buki Shiff. Dramaturgie: Ulrich Lenz. Chöre: David Cavelius.


