Weil die Kinder des armen Besenbinders statt im Haushalt zu helfen lieber spielen und toben und dabei versehentlich das einzige Lebensmittel verschütt geht, das die Mutter ihnen anbieten kann, schickt sie Hänsel und Gretel als Wiedergutmachung zum Beerenpflücken in den Wald. Dort aber begegnet das Geschwisterpaar nicht nur gutmütigen Gestalten wie dem Sand- und dem Taumännchen, sondern auch der Hexe vom Ilsenstein, die sie in ihr von Leckereien strotzendes Häuschen einlädt …
Dank der phantasievollen Kombination von kinderliedhaft-naiven Melodien, zauberhafter Naturromantik und kunstvoller Klangfarbenmalerei sowie leitmotivisch gearbeiteten, großen sinfonischen Klangwogen wie man sie aus Richard Wagners Musikdramen kennt, gelang dessen einstigem Mitarbeiter Humperdinck mit »Hänsel und Gretel« der Durchbruch als Opernkomponist. Das »Kinderstuben-Weihfestspiel«, wie er das anfängliche Singspiel seiner Schwester Adelheid Wette nannte, wurde zu einer humorvollen Erzählung, die mit großer Poesie die Ängste und Phantasien der Kleinen und Großen thematisiert und schließlich auch dank des kompositorischen Tiefgangs weit über die Ansprüche einer einfachen Kinderoper hinauswuchs.
Ein Stoff, der für den großen Künstler Achim Freyer geradezu wie gemacht scheint: In seiner kunstvoll-bunten Inszenierung für alle Altersklassen zeichnet er phantasiereich und mit Humor die Charaktere nach – nicht ohne darin auch Querverweise für die Erwachsenen zu verstecken und u. a. die Verführung von Kindern zum Konsum durch weltumspannende Konzerne zu thematisieren.
Text von Adelheid Wette nach dem Märchen von Jacob und Wilhelm Grimm

