Eine traurigere und bittere Komödie als die vom gealterten Don Pasquale, der sein Leben lang auf Mehrung seines Reichtums und seiner Macht über andere bedacht war, der seinen Neffen enterbt, weil dieser eine andere Frau heiraten möchte, als er für richtig hält, der in die Fänge eines zwielichtigen Therapeuten und dessen skrupelloser Komplizin gerät, und dessen wohlabgeschirmtes Dasein in einem Strudel der Gewalt versinkt, gibt es nicht.
Der 45-jährige Donizetti fühlt Krankheit und Tod herannahen, als er dieses Stück für Paris, die Hauptstadt des Luxus und der Moden, komponiert. Er verausgabt sich in einer der überströmendsten, glänzendsten und poetischsten Opernpartituren, die die italienische Oper je geschaffen hat. Er, dessen tragische Opern immer wieder den Absolutheits- und Glücksanspruch des Individuums im Untergang gefeiert hatten, entdeckt nun die bürgerliche Kehrseite des Individualismus: den Egoismus und seine Kälte. Die Uraufführung im Januar 1843 wurde zum Triumph, der dieses Stück bis heute begleitet.

