Und darum geht’s: In ohnehin schon brutalen Kriegszeiten macht die Marquise von O... eine besonders traumatisierende Erfahrung: Während eines nächtlichen Überfalls zerren marodierende Soldaten sie in einen Hinterhalt, und nur das Eingreifen des plötzlich auftauchenden Graf F... verhindert einen sexuellen Übergriff noch drastischerer Art. Tags drauf werden die Täter ausfindig gemacht, nach kurzem Verhör exekutiert und der edle Retter mit Lobreden überhäuft. Einige Wochen nach diesem Vorfall stellt die junge, bereits verwitwete Frau fest, dass sie schwanger ist. Verzweifelt beteuert sie, nicht die geringste Erinnerung an die Zeugung ihres dritten Kindes zu haben. Was zweifelhaft klingt, wird ihr auch von ihren Eltern nicht geglaubt. Die Tochter von bislang „vortrefflichem Ruf“ muss das elterliche Haus, in das sie nach dem Tod ihres Mannes zurückgekehrt war, verlassen. Fortan schlägt sich die Schwangere mit ihren Töchtern alleine durch, wächst an der Krise, gewinnt an Selbstbewusstsein – und entwickelt eine ungeahnte Radikalität, aus der heraus sie beschließt, mithilfe einer Zeitungsannonce der Wahrheit näherzukommen und den Mann zu finden, der ihr das angetan hat ...
Für das Schauspiel Essen hat Regisseur Christopher Fromm nach Kleists Novelle eine Bühnenfassung erstellt, die speziell auf ein jugendliches Publikum (ab 16 Jahre) ausgerichtet ist.


