Theaterkompass.de Logo

Peer Gynt

in Schaubühne am Lehniner Platz
Uraufführung/Premiere am 14. Februar 2020
Henrik Ibsens Dramen zeigen auch nach eineinhalb Jahrhunderten eine bemerkenswerte Modernität und Aktualität. In der Figur des Peer Gynt entfaltet sich ein Seelendrama, das die Suche nach Identität und Selbstverständnis thematisiert.
© benjakon

Der Symbolismus dient einer Psychologie, die dabei ist, sich selbst verstehen zu wollen, aber von meisterhafter Brillanz in der Dramaturgie den Zuschauer oder den Hörer auffordert, sich selbst zu erkennen. Symbolismus als Mittel der Psychologie ist im 19. Jahrhundert nicht unüblich. Alles darin ist symbolisch: Das Äußere ist das Innere und das Innere ist das Äußere. Und in diesem Wechselspiel entsteht ein Weg, ein Traumpfad, sich selbst zu begreifen. Begleitet von Gedanken, die bis zum Äußersten gehen. In einer Kaskade von Träumen, die die Seele bezwingen und denen das Ich der eigenen Person wie ausgeliefert, wie willenlos gegenübersteht.

Die ganze Spannung liegt im ersten Satz schon: als Aase, Peers Mutter, ihn wie verklagend, abwehrend – man weiß nicht, wie man es spielen soll –, zum Teil auch halb lächelnd und begreifend anredet mit »Du lügst!«. Und was ist nun Lüge? Ein Gewebe aus Hilflosigkeit, aus Größenwahn, aus Verführung, aus Machtwille. Geboren aus Ohnmacht. Das alles spielt in den ersten zwei Worten »Du lügst!«. Dabei erzählt Peer seiner Mutter eine fantastische Jagdgeschichte, die im Gebirge spielt. Er will ihr großer Junge sein. Er will unterhaltsam sein, er will geliebt werden, eigentlich möchte er gemocht sein. Und ein Grundthema des Peer Gynt ist das abgelehnt sein.

»Könnt ich ihnen doch«, sagt Peer mal, »mit Schlächterhänden die Missachtung aus der Brust reißen«. Man nimmt ihn nicht ernst, wie soll man – er ist das Kind eines Säufers. Und seine Mutter Aase, kleinwüchsig und hilflos, verwöhnt ihn über das Maß. Bekrittelt ihn zugleich aber. Umarmt ihn und verstößt ihn. Immer im Wechsel. Eine ganz ambivalente Liebe. Eine Zuneigung aber, die Peer braucht und die ihn hindert, ein Erwachsener zu sein. Er ist der kleine Junge und will der große Junge sein. Er will behütet sein bei seiner Mutter und er will gleichzeitig seine Freiheit. Und in diesem Widerspruch findet er sich eigentlich bis zum Ende des Dramas nicht zurecht.«
Eugen Drewermann

Die Arbeiten des Konzeptkünstlers John Bock sind schwer einzuordnen, sie überschreiten Grenzen und starre Kategorien. Seine Kunst ist eine Mischung aus Performance, Installationskunst, Skulptur, Slapstick und Film. Zusammen mit Lars Eidinger wird er »Peer Gynt« als interdisziplinäres Projekt zwischen Theater, Bildender Kunst und Performance realisieren. Ibsens Text bildet dabei den Ausgangspunkt zu einer Untersuchung moderner Identität zwischen Theaterbühne und Internet, Figur und Schauspieler, Herkunft und Selbstentwurf, Filterblase und Realität.

Mitwirkende

John Bock(Regie)
Christian Tschirner(Dramaturgie)
Miles Chalcraft(Videodesign)
Andreas Janetschko(Komponist/in)
Erich Schneider(Lichtdesign)
Lars Eidinger(Schauspieler/in)
Tristan Becker(Schauspieler/in)
Camille Dombrowsky(Schauspieler/in)
Anton Dreger(Schauspieler/in)
Naemi Feitisch(Schauspieler/in)
Julian Gutmann(Schauspieler/in)
Anastasia-Lara Heller(Schauspieler/in)
Clemens Kersten(Schauspieler/in)
Emma-Katharina Suthe(Schauspieler/in)
Jan Wenglarz(Schauspieler/in)

Spielzeiten

Freitag, 14. Februar 2020 (Premiere / Uraufführung)
Samstag, 15. Februar 2020
Mittwoch, 19. Februar 2020
Dienstag, 25. Februar 2020
Donnerstag, 12. März 2020
Donnerstag, 09. April 2020
Sonntag, 19. April 2020

Teile den Beitrag auf

Background image of the page