Wayne hofft, durch Alexandra endlich an ein lukratives Engagement zu kommen — und dadurch seine Jugendliebe Heavenly aus dem Kleinstadtmief zu befreien. Was er nicht weiß: Ihre vergangene Beziehung hat bei der Angebeteten nachhaltige gesundheitliche Spuren hinterlassen, und ihrem Vater, dem brutalen Emporkömmling und reaktionären Politrüpel Tom „Boss“ Finley, ist jedes Mittel recht, den ungeliebten Schatten der Vergangenheit wieder loszuwerden. Denn die Erinnerung an die „Besudelung“ seiner Tochter kann Finley gar nicht gebrauchen, steht sein Wahlprogramm doch für Law & Order und moralische sowie rassische Reinheit.
Tennessee Williams zeichnet in „Süßer Vogel Jugend“ das Bild einer durch und durch narzisstischen, von Gewalt und Verachtung durchzogenen Gesellschaft, in welcher der andere immer nur Mittel zum Zweck ist. Eine zynische und brutalisierte Politik bildet den Hintergrund des moralischen Verfalls der Menschen in St. Cloud, wo die Möglichkeit eines sanfteren Miteinanders höchstens in einer verblassenden Erinnerung, flüchtig wie der titelgebende Vogel, aufblitzt — oder in der sentimentalen Anerkennung eines gemeinsamen Gescheitertseins. Aber am Ende, so weiß Alexandra del Lago, kann in dieser unbarmherzigen Welt doch nur eine(r) bestehen: die „Oberbestie unter Kannibalen“.

