Luther, der Antikapitalist? Zwar sprach er sich gegen den Wucher, die Fugger und das Kreditgeschäft aus, legte jedoch mit der Verurteilung des »faulen Müßiggängers« den Grundstein der heutigen Arbeitsethik.
Mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor und auf der Basis historisch genauer Fakten wirft Forte einen Blick auf das Räderwerk politischer Herrschaftsmechanismen. Er zeigt Luther als Spielball der Mächtigen im Widerstreit mit seinem Gegenspieler Thomas Münzer und dessen sozial-revolutionären Umtrieben.
»Dass die Bezüge auf die Zeit so klar und unübersehbar sind, hat mich selbst überrascht«, schreibt Dieter Forte über sein 1970 in Basel uraufgeführtes Stück. Heute, 47 Jahre später, sind die von ihm beschriebenen Mechanismen von einer beinahe noch gespenstischeren Aktualität. Forte zeigt, mit welcher Wendigkeit und Anpassungsfähigkeit sich der Kapitalismus, im Stück durch den Fugger repräsentiert, politische und religiöse Konstellationen zu eigen macht, um sie im Dienst der Gewinnmaximierung und zur Sicherung und Erweiterung von Absatzmärkten zu instrumentalisieren.
Im Zentrum von Fortes Realsatire stehen drei Herrscher, ein weltlicher, ein religiöser und ein politischer, die mit allen Mitteln um den Erhalt und die Erweiterung ihrer Machtsphäre kämpfen. Von Augsburg aus lenkt der Fugger sein Finanzimperium, von Sachsen aus zieht Friedrich der Weise die politischen Strippen und in Rom sucht der Papst nach immer kreativeren Wegen, seine finanziellen Schwierigkeiten mit neuen Instrumenten wie dem Ablasshandel in den Griff zu bekommen. Dazwischen, als Spielball der Mächtigen, befindet sich ein unbedeutender Mönch aus Wittenberg, der quasi wider seinen Willen zum Protagonisten einer der größten geistesgeschichtlichen Umwälzungen in der Geschichte der Welt wurde.
Regisseur Maik Priebe setzt das Stück als sinnlich komisches und volkstheaterhaftes Spektakel in Szene.

