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Der deutsche Mittagstisch

in Theater in der Josefstadt
Uraufführung/Premiere am 17. September 2020
Diese sieben Dramolette zeigen, wie virtuos Bernhard die politisch zugespitzte kurze Farce und das einaktige Volksstück in Mundart beherrschte. Mit scharfem Blick und schwarzem Humor skizziert er groteske Miniaturen zu großen Themen und lässt auch die Spitzen des Staates auftreten.
© Theater in der Josefstadt

Thomas Bernhard hat mit seiner Literatur, seinen Theaterstücken, seinem Blick in die österreichische Seele seinerzeit für Erstaunen, Entrüstung und Aufruhr, aber auch für vehemente Zustimmung im ganzen Land gesorgt. Dass er "über den Tellerrand" hinaus schaute, um in seinem Heimatland umso klarer zu sehen, zeigen seine schon fast vergessenen Meisterstücke, die Dramolette.

Die Figuren seiner Dramolette, Nachbarn, Mitbürger und Menschen wie du und ich, erzählen, scheinbar heiter und gelassen, unspektakulär aufregend, wie schnell die Grenzen unserer Demokratien aufgeweicht werden, wie schmal der Grat ist zwischen Arglosigkeit und Aggression, Alltagsgeplänkel und Neofaschismus, Drohen und Zuschlagen. Er zeigt die Ursachen des Hasses auf die Fremden, die "Saupresse", auf alle, die da anders sind, sich wehren oder von einer anderen, besseren Welt träumen: große Einsamkeit, geschürte Ängste, Verletzlichkeit, Frustration und – nicht zuletzt – zunehmender Egoismus.

„Der deutsche Mittagstisch“ ist ein kleines, hellsichtiges Meisterstück, dessen tragische Aktualität alarmiert. "Lauter Nazis..." kommen zutage, wenn man die Suppe auslöffelt, die Bernhard mit seinem Mittagstisch serviert. Was idyllisch beginnt, führt zu bösem Erwachen. Vergnüglich und erschreckend zugleich.

In A Doda halten zwei Frauen abends auf dem Heimweg einen großen Gegenstand auf dem Feld zunächst für einen Toten, dann entdecken sie, dass es eine Packpapierrolle ist, in der Hakenkreuzplakate eingeschlagen sind. In Maiandacht beklagen zwei Nachbarinnen den Tod eines Dorfhonoratioren, dessen Verdienste sie überschwänglich rühmen, obwohl er in Wahrheit ein übler Geschäftemacher und Leuteschinder war. Match führt am Feierabend ins Schlafzimmer eines Polizisten, der von einem Demonstrationseinsatz heimgekommen ist. Zwei weitere Dramolette zeigen die Welt der unbelehrten, reuelosen Täter von damals: In Freispruch feiert in seiner Villa am Rhein ein KZ-Massenmörder mit Champagner im Kreis der Familie und der beiden Richter, die die Anklage gegen ihn niedergeschlagen haben. In Eis schwelgen zwei deutsche Ministerpräsidenten mit Frauen an der Nordsee in heroischen Kriegserinnerungen, bis sie in Gestalt eines türkischen Eisverkäufers ein wenig heroisches Ende ereilt. Alles oder nichts karikiert schließlich die Anbiederungswut unserer Spitzenpolitiker, während sie sich dem Ritual eines Fernsehquiz unterwerfen. Und Der deutsche Mittagstisch versammelt die monströse Familie Bernhard, achtundneunzig Personen stark, zur guten alten deutschen Nudelsuppe, die sich je länger je mehr als Nazisuppe erweist.

Mitwirkende

Achim Freyer(Bühnenbild)
Margit Koppendorfer(Kostümbild)
Jutta Ferbers(Dramaturgie)
Victoria Philipp(Bühnenbild)
Ulrich Eh(Lichtdesign)
Ulli Maier(Schauspieler/in)
Lore Stefanek(Schauspieler/in)
Robert Joseph Bartl(Schauspieler/in)
Sandra Cervik(Schauspieler/in)
Traute Hoess(Schauspieler/in)
André Pohl(Schauspieler/in)
Michael König(Schauspieler/in)
Bernhard Schir(Schauspieler/in)
Raphael von Bargen(Schauspieler/in)
Marcus Bluhm(Schauspieler/in)

Spielzeiten

Donnerstag, 17. September 2020 (Premiere / Uraufführung)
Freitag, 18. September 2020
Montag, 21. September 2020
Donnerstag, 24. September 2020
Freitag, 25. September 2020
Montag, 28. September 2020
Mittwoch, 07. Oktober 2020
Samstag, 17. Oktober 2020
Sonntag, 18. Oktober 2020
Sonntag, 18. Oktober 2020
Freitag, 23. Oktober 2020
Mittwoch, 28. Oktober 2020
Donnerstag, 05. November 2020
Samstag, 14. November 2020
Sonntag, 15. November 2020
Mittwoch, 18. November 2020
Montag, 23. November 2020
Dienstag, 01. Dezember 2020
Mittwoch, 02. Dezember 2020
Mittwoch, 09. Dezember 2020
Dienstag, 15. Dezember 2020
Samstag, 19. Dezember 2020
Montag, 21. Dezember 2020

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