Schließlich ist sie, die irische Prinzessin Isolde, mittlerweile Frau des kornischen Königs Marke; schließlich ist er, Cornwalls edler Ritter Tristan, dessen treuer Lehnsmann.
Doch Tristans nie versiegende Liebe zu Isolde ist wie die nie stillbare Wunde, die ihn einstmals zu Kriegszeiten unter der falschen Identität des Tantris zu Isolde geführt hatte. Nur Isoldes Heilkünste konnten die Wunde versiegeln, doch als sie in Tantris den Feind erkannte, der ihren Verlobten getötet hatte, verzichtete sie aus Mitleid auf Rache an dem hilfesuchenden, wehrlosen Ritter. Seither tobt in Tristan der Kampf zwischen der Treuepflicht gegenüber seinem König und seiner Liebe zu Isolde – der Krieg, den er einst auf dem Felde austrug, lebt nun schmerzhaft in seinem Innersten weiter.
Ausgerechnet er muss Isolde nach Kriegsende zur Hochzeit mit Marke von Irland nach Cornwall überführen, um den Frieden zwischen den beiden lange verfeindeten Völkern zu besiegeln. Kurz vor Ende der Reise jedoch wird die Konfrontation von Tristan mit Isolde unausweichlich: Sie fordert ihn auf, einen vorgeblichen Sühnetrank zu trinken, von dem sie beide denken, es sei ein erlösendes Gift. Der zu erwartende gemeinsame Tod erlaubt es ihnen, sich gegenseitig ihre Gefühle zu offenbaren – doch als sich der Trank als Liebeselixier herausstellt, wandelt sich dieser Moment höchsten Glückes in den Moment der größten Tragik in ihrem Leben: Seither wissen sie, dass diese unerfüllbare Liebe sie bis an das Ende ihrer Tage quälen wird. Nun bleibt ihnen nur noch das Dunkel der Nacht, um sich ihrer Liebe zu vergewissern, sich gemeinsam im Sehnen nach Vereinigung zu verzehren. »Tristan du, / ich Isolde, /nicht mehr Tristan! /Du Isolde, /Tristan ich, /nicht mehr Isolde!«
Handlungsträger sind nicht mehr nur der Librettotext und das Bühnengeschehen, sondern in nie zuvor dagewesenem Maße die Musik, die dem Strom der Gedanken der Figuren folgt und plastisch schildert, was ihnen unsagbar ist. Leitmotive setzt Wagner auf diesen verworrenen Pfaden der Gefühle als »Wegweiser« ein; die Welten von Tag und Nacht erzählen mittels bahnbrechender Harmonik ebenso viel über die Lichtverhältnisse wie über den Leidensdruck und Schmerz der Protagonisten. So wird »Tristan und Isolde« zu einer »der Ursprungsurkunden der musikalischen Moderne« (Carl Dahlhaus), die Zeugnis ablegt vom ewigen Widerstreit zwischen Sehnsucht und Pflichterfüllung, Licht und Dunkel, Liebessehnsucht und Liebesqual, die den Übergangszustand wie das Morgengrauen fliehen und nur im absoluten Zustand des Todesdunkels Erlösung finden.

