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Um alles in der Welt

in Großes Haus
Uraufführung/Premiere am 19. Januar 2020
Wem gehört die Welt? Diese Frage stellen die Lessingtage und hinterfragen, warum wir so tun, als ob sie uns gehören würde. Der Satz „Macht euch die Erde untertan“ wird als Missverständnis entlarvt und als Ermutigung zu einem zivilisatorischen Prozess der Subjektwerdung interpretiert.
© Illustration StefanMarx

Wir sind weit darüber hinausgeschossen, mit zwei gravierenden Taten: mit dem Kolonialismus der Nordhalbkugel gegenüber dem Süden sowie mit unserer Ressourcenverschwendung an der Schwelle zur Selbstvernichtung. Dies sind die zwei zentralen Schwerpunkte der Lessingtage.

Schon in den Welterklärungen der Religionen und der nordischen Mythen ist von den Ursprüngen des Menschen in der Natur und seiner Machtergreifung die Rede („Die Edda“). Zwei andere Abende denken das Thema Mensch-Natur dystopisch nach vorn: „Arctic“ erzählt, wie das mittlerweile eisfreie Grönland längst von Ölfirmen aufgekauft ist und eine Innuit Vergeltung übt. „Farm Fatale“ zeigt Vogelscheuchen im agrikulturellen Widerstand gegen das Artensterben. Deutlich optimistischer ist „Zugvogelmusik“ – eine vitale Liebeserklärung an die migration birds.

Auch im Rahmenprogramm schlägt die Stunde der Naturwissenschaft! Aufregende Erkenntnisse erhoffen wir uns in diesem Jahr von der indischen Physikerin und Aktivistin Vandana Shiva, dem deutschen Archäogenetiker Johannes Krause und dem Meeresbiologen Nikolaus Gelpke. Wir freuen uns, von ihnen zu lernen!

Das zweite Thema: die Differenzen zwischen Nord- und Südhalbkugel – Spätfolgen vor allem des Kolonialismus. Wie geht postkoloniale Selbstbestimmung? Die Eigenproduktion „Hereroland“ sucht 115 Jahre nach dem deutschen Völkermord in Namibia den Dialog. „Reverse Colonialism“ überspringt witzig und unterhaltsam ethnische Kartographien.

Hereroland erzählt eine deutsch-namibische Geschichte. Zwei Regisseure nähern sich gemeinsam mit einem namibischen Ensemble und Ensemblemitgliedern des Theaters einem dunklen Kapitel der Vergangenheit ihrer Länder. Es ist eine Begegnung, die sich über zwei Kontinente spannt und einen Dialog über den ersten Genozid des 20. Jahrhunderts eröffnet. Aus dem antikolonialen Widerstand der Herero 1904 im damaligen Deutsch-Südwestafrika wurde ein Völkermord der deutschen Kolonialmacht an einer ganzen Volksgruppe. Noch heute sind die Folgen in Namibia allgegenwärtig.

Gernot Grünewald, Vertreter des modernen Dokumentartheaters, und sein Team reisten nach Namibia und interviewten Politiker, Aktivistinnen und Aktivisten, Menschen aus der Region und deutschstämmige Farmer. David Ndjavera, mehrfach ausgezeichnet als bester Regisseur Namibias und selbst Herero-Nachfahre, erschafft magisch-metaphorische Bildwelten voller Musik und Tanz. Gemeinsam entwickeln sie ein begehbares Museum, in dem das Publikum parallel Performances, Ausstellungen und Theaterszenen erleben kann.

Sind Mauern eine Strategie, um uns abzuschotten gegen den Süden? Der Mexiko-Schwerpunkt („Amarillo“ und „Andares“) erzählt von den verheerenden Folgen der tausende Kilometer langen Mauer gegen Mexiko. Abschottung oder Öffnung gegenüber Flüchtlingen ist auch eine europäische Frage, die Lösung aber eine andere: Müssten nicht Krieg und Gewalt, wie in der griechischen Orestie, beispielsweise auch im Nahen Osten durch Versöhnung und Gerechtigkeit überwunden werden können („Orest in Mossul“)?

Die Lessingtage vereinen nationale wie internationale Künstlerpositionen, die neugierig den Blick auf übergeordnete, globale Themen richten. Wir ergänzen sie um eigene Aufführungen: um „Neverland“, den Versuch, Theater über die Grenzen von Nation und Sprache hinaus zu denken, um „Moby Dick“, das von dem harten Kampf um Ressourcen erzählt oder um „Ein Mensch brennt“ über einen Ökoradikalisten, der sich einst auf der Mönckebergstraße selbst verbrannt hat. Eine poetische Überhöhung zu den Themen Heimat, Natur, Zerstörung leistet der umstrittene Peter Handke mit seinem Meisterwerk „Immer noch Sturm“, seit neun Jahren im Repertoire – und nun Ifflandring- und Nobelpreis-gekrönt.

Sie sind herzlich eingeladen, drei Wochen lang Fremdes und Anderes auf sich wirken zu lassen. Es geht um den Blick nach vorn: 23 Tage for future – wenn man so will, nicht nur freitags…

Mitwirkende

Michael Köpke(Bühnenbild)
Cynthia Schimming(Kostümbild)
Christina Bellingen(Dramaturgie)
Jonas Plümke(Videodesign)
Jana Lüthje(Bühnentechnik)
Ben Kandukira(Sänger/in)
Jonas Anders(Schauspieler/in)
Otja Henock Kambaekua(Schauspieler/in)
Oliver Mallison(Schauspieler/in)
Jörg Pohl(Schauspieler/in)
Toini Ruhnke(Schauspieler/in)
Gift Uzera(Schauspieler/in)
Lizette Vezemboua Kavari(Schauspieler/in)
West Uarije(Schauspieler/in)
Michael Köpke(Bühnenbild)
Cynthia Schimming(Kostümbild)
Christina Bellingen(Dramaturgie)
Aldo Behrens(Dramaturgie)
Jonas Plümke(Videodesign)
Jana Lüthje(Bühnentechnik)
Ben Kandukira(Musiker/in)
Jonas Anders(Schauspieler/in)
Otja Henock Kambaekua(Schauspieler/in)
Oliver Mallison(Schauspieler/in)
Jörg Pohl(Schauspieler/in)
Toini Ruhnke(Schauspieler/in)
Gift Uzera(Schauspieler/in)
Lizette Vezemboua Kavari(Schauspieler/in)
West Uarije(Schauspieler/in)

Spielzeiten

Sonntag, 19. Januar 2020 (Premiere / Uraufführung)
Dienstag, 21. Januar 2020
Mittwoch, 22. Januar 2020
Mittwoch, 22. Januar 2020
Samstag, 08. Februar 2020
Samstag, 08. Februar 2020
Sonntag, 09. Februar 2020
Dienstag, 11. Februar 2020
Mittwoch, 12. Februar 2020
Freitag, 14. Februar 2020
Freitag, 14. Februar 2020 (Derniere / Letzte Vorstellung)

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