Es ist sein Geburtstag und zu diesem Anlass planen die Eltern für den geliebten Sohn ein rauschendes Fest. Diese Feier hätte einen normalen Verlauf nehmen können, wenn Victor nicht genau heute geplant hätte, die Lügen und Widersprüchlichkeiten der Erwachsenen zu entlarven. Gemeinsam mit seiner sechsjährigen Freundin Esther übernimmt Victor das Ruder; die beiden stellen ihre Familien und deren Verstrickungen bloß und provozieren heimtückisch einen Skandal nach dem anderen. Leidtragende dieser Bosheiten ist in erster Linie Victors Mutter Emilie, die tatenlos zusehen muss, wie ihre heile Familienwelt zerstört wird.
In seiner 1928 in Paris uraufgeführten Gesellschaftskomödie parodiert der französische Dramatiker und Surrealist Roger Vitrac die biederen Salonstücke seiner Zeit, verkehrt die klassischen Handlungsmuster des Boulevardtheaters auf absurde Weise ins Bitterbös-Groteske und hält der scheinbar erwachsenen Gesellschaft den Spiegel vor. Vielleicht war es gerade diese gnadenlose Ehrlichkeit, die beim Publikum zunächst eine ablehnende Haltung gegenüber dem Stück provozierte. Erst in den 1960er-Jahren verhalf eine Inszenierung von Jean Anouilh dem Stück zum bis heute andauernden Ruhm.
„Victor oder die Kinder an der Macht“ ist in einer Inszenierung von Schauspieldirektorin Katharina Rupp und ausgestattet durch Vazul Matusz zu sehen. Für Tom Kramer und Tatjana Sebben, die beiden jüngsten Mitglieder des Schauspielensembles, bieten die außergewöhnlichen Partien des neunjährigen Victors respektive der sechsjährigen Esther zwei spannende Protagonistenrollen.
Deutsch von Helga Krolewski
Inszenierung Katharina Rupp
Bühnenbild und Kostüme Vazul Matusz
Dramaturgie Margrit Sengebusch
Video Florian Barth

