Mutter und Schwester – die Daheimgebliebenen – sehnen sich nach all dem, was der Sohn erreicht hat: Liebe und Glück. Sie wollen unbedingt ans Meer, an einen Ort, an dem »die Sonne alle Fragen tötet«. Um dort hinzukommen, bringen sie alleinreisende, solvente Herren um und nehmen ihnen ihr Geld ab. Auch dem unerkannten Sohn wird der todbringende Tee aufs Zimmer gebracht.
Albert Camus, der Literaturnobelpreisträger und frühe Popstar unter den Philosophen, veröffentlichte sein Stück 1944 in einem besetzten Land, »fern von allem, was ich liebe«. Die Geschichte vom verlorenen Sohn, der von Mutter und Tochter aufgrund eines Missverständnisses umgebracht wird, taucht bereits im Roman ›Der Fremde‹ auf, an dem Camus zeitgleich arbeitete. Er selbst bezeichnete ›Das Missverständnis‹ als »ein Stück der Auflehnung« mit einer Moral: Aufrichtigkeit.
Deutsch von Hinrich Schmidt-Henkel

