Sie kämpft sich weitab vom Schlachtfeld durch 12-Stunden-Schichten; tötet tagsüber Terroristen, die kein Gericht je schuldig sprach (der Schießbefehl kommt anonym per Kopfhörer, das Ziel ist kaum eindeutig zu identifizieren), und ist abends Frau und Mutter. Bis die Grenzen zwischen Privatleben und virtuell-realer Menschenjagd sich auflösen...
Am Boden zwingt zur Auseinandersetzung mit der Frage, was es gesellschaftlich und moralisch bedeutet, wenn wir Kriegsführung zunehmend ins Virtuelle verlagern und es nur noch eines anonymen Knopfdruckes am anderen Ende der Welt bedarf, um ganze Menschengruppen auszulöschen. Alle Daten gehen durch Ramstein. Ohne Deutschland wäre der gesamte Drohnenkrieg der USA nicht möglich… Brandon Bryant
Jahr für Jahr demonstrieren Friedliebende in Ramstein gegen die US-Drohnenmorde, die die Bundesregierung sich bis vor kurzem noch trotzig-hilflos weigerte, als gesichert anzuerkennen; zivile Opfer seien Nebenfolgen, hinnehmbar, solange der Kollateralschaden nicht unverhältnismäßig sei, verlautbarte das Ministerium der Verteidigung. Die drei Affen tanzten. Doch inzwischen ist man einen Schritt weiter.
Auch für die Bundeswehr wünscht man sich nun bewaffnete Drohnen und wird sie zum krönenden Abschluss einer breiten gesellschaftlichen Debatte und nach ausführlicher völkerrechtlicher, verfassungsrechtlicher und ethischer Würdigung bekommen. Wer will da noch fragen, was unsere Soldaten am Hindukusch und anderenorts eigentlich verloren haben...
Und da die Dinge unaufhaltsam ihren Gang gehen, ist man jetzt noch weiter: gezielte Tötungen durch die dann bewaffneten Drohnen seien explizit nicht ausgeschlossen - die Lage sei komplex, ist zu vernehmen. Da ist es doch außerordentlich begrüßenswert, dass – wenn es nach der SPD geht - unseren SoldatInnen Therapeuten an die Seite gestellt werden, zur Behandlung einer allfälligen PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung).
Kampfjet vs. Drohne. Nach einer Untersuchung des US-Militärs leiden Drohnenpiloten wesentlich häufiger an psychischen Krankheiten als Besatzungen von Kampfjets. Nicht selten haben die Soldaten ihre Opfer zuvor längere Zeit in deren Alltag samt Familienleben beobachtet. Nach getaner Arbeit fahren die Drohnenoperateure nach Hause und sind dort selbst Familienväter. Kampfpiloten bemannter Flugzeuge dürften hingegen von der deutlichen Trennung zwischen ihrem Einsatz an der Front und ihrem Privatleben in der Heimat profitieren, vermuten die Psychiater.
Am Boden [grounded] von George Brant


