Ferferi war ihr Kosename – persisch für «Löckchen». Das Wort weckt Erinnerungen an den Duft von Safran und Jasmin, an Tantes Laden, an die Klänge von Zuhause. Doch was bedeutet Heimat, wenn ein kleines Kind das Geburtsland verlassen und sich in einem neuen Land zurechtfinden muss? Und wie kann man in einer Gesellschaft ankommen, wenn man mit Blick auf das lockige Haar immer wieder gefragt wird: «Aber woher kommst du wirklich?»
Das Stück zeigt, wo Alltagsrassismus anfängt: Das ist das scheinbare Kompliment dafür, dass man sehr gut Deutsch spreche und das ist der schiefe Blick an der Kasse, wenn man zu lange nach dem Geld suchen muss. Inspiriert von persönlichen Erlebnissen lässt Atina Tabé das Publikum an der Geschichte von Ferferi teilhaben, die sich trotz aller Widrigkeiten ihren Elan und Humor nicht hat nehmen lassen. Ferferi lernt eine neue Sprache und merkwürdige Schriftzeichen. Sie erlebt Höhen und Tiefen wie jeder andere Mensch – mit nur einem Unterschied: Manches wird allein durch ihr Aussehen ausgelöst.
Ursprünglich als Kinderbuch konzipiert, kommt nun das abendfüllende Stück für Erwachsene aus der Feder des langjährigen Ensemblemitglieds Atina Tabé auf die Bühne. Ein Herzensprojekt der in Teheran geborenen Schauspielerin, wofür sie nicht nur den Text, sondern auch ein Lied geschrieben und Zeichnungen angefertigt hat, die in moderner Form persische Miniaturmalereien adaptieren. So vermittelt das Stück durch Erzählungen, Lieder und neue Musikkompositionen, nicht nur Elemente der persischen Kultur, sondern zeigt vor allem, wie schillernd und vielseitig Identitäten in einer pluralistischen Gesellschaft sein können.
«Ferferi فرفری»
Vom Ankommen und Fernbleiben
Von Atina Tabé


