In feinen, nur vordergründig alltäglichen Familiengeschichten erzählt Doitscha von dem Zusammenleben von Juden und Deutschen über 70 Jahre nach dem Holocaust. Im Zentrum steht Adriana, unschwer als Alter Ego der Autorin zu erkennen, die sehr offen, sehr lustig und sehr direkt von ihrem Leben mit ihrem westfälischen Mann Georg und ihren Söhnen David und Sammy erzählt. Geschickt wechselt hierbei die Autorin Altaras von Kapitel zu Kapitel die Perspektive, sodass neben den einzelnen Familienmitgliedern auch ihre uralte Tante Jele aus Italien, ihre Therapeutin Dr. Luise, Davids dicker Patenonkel Aron und dessen großer Bruder Robbi zu Wort kommen.
So entsteht ein vielstimmiges, buntes, lebenslustig-melancholisches Bild einer deutsch-jüdischen Gegenwart, die die Geister der Vergangenheit als ständige Begleiter annehmen kann, ohne ihnen so viel Platz einzuräumen, dass sie den Blick in die Zukunft verstellen. Es ist ein verletzliches Verhältnis, von dem Altaras schreibt, aber es wird langsam zu einem Verhältnis, in dem es möglich scheint, gemeinsam nach vorne zu blicken.


