Im Sommer 1781 befreit sich Mozart von den «erzbischöflichen Fesseln» in Salzburg. Er will Fuß fassen in Wien und sein Leben selbst in die Hand nehmen. Die Bestrebungen Kaiser Josephs II., der Dominanz italienischer und französischer Opern etwas Deutschsprachiges entgegenzusetzen, spielen Mozart dabei positiv in die Karten. Er erhält den Auftrag, ein Singspiel zu komponieren auf Christoph Friedrich Bretzners Belmont und Constanze, oder Die Entführung aus dem Serail.
Die Uraufführung wird ein Erfolg. Die Gattungsbezeichnung allerdings führt schon Zeitgenossen in die Irre, schlummert unter dem Deckmantel eines vermeintlich heiteren orientalischen Märchens mit aufklärerischer Botschaft ein Werk, das gewohnte Rollenbilder unter die Lupe nimmt. Das fragt, ob bedingungslose Liebe möglich ist. Wann Vertrauen in Befremdnis kippt. Wie standhaft das Konzept Treue ist. Was «menschlich gütig sein» bedeutet. Musikalisch wie dramaturgisch entfacht Mozart einen Strudel aus Andersartigkeit, Freiheit und Selbstbestimmung, der von einer konventionellen Typenkomödie ein Stück größter Ernsthaftigkeit hinterlässt.
Singspiel von Wolfgang Amadeus Mozart


