Trotzend dem, der’s finster macht, wehe dem, der Rückschritt schafft.
Im Libretto zum Musical löst Lydia Haider die Misere, in der sich Diskurs und Erzählung befinden, durch Lyrik und Pathos. In den Liedtexten, die sich in der Komposition von Eva Jantschitsch opernhaft in den Vordergrund drängen, schärft Haider ihre bekannte referentielle Ästhetik. Jantschitsch erweitert die musikalischen Linien zwischen elektronischer und Neuer Musik um die für sie typischen großen orchestralen Momente und eine inhaltlich humorvolle Überspitzung. Musikalische Co-Produktion macht Ville Haimala, live umgesetzt von einer sechsköpfigen Band mit den in Berlin lebenden Musiker:innen Borninflamez und Minimal Violence (Ash Luk), den Hornist:innen Mathilde Conley, Sonja Engelhard und Maxine Troglauer und Sara Neidorf am Schlagzeug, begleitet von einem neunköpfigen Chor.
Die Künstlerin Marianne Vlaschits entwirft einen symmetrischen Kosmos für den Wegwurf unserer Zeit und die Modedesignerin Dalia Hassan kreiert Kostüme, die Codes aus Revolution, Mythologie und Popkultur zu einem Bild abseits bestehender Normen dekonstruieren. Unter der Künstlerischen Leitung von Marlene Engel wird das Genre Musical zu einem Format für zeitgenössische Musik und einer Aussicht auf goldene Zeiten.
Als da alles im Abgrund drin, sintemal die Welt nicht mehr besteht, wie einmal Bestand gepredigt, eine Wichse und viel Unheil, so wir dies nicht anerkennen und begehren auf mit uns’rer Leibung, mit der zu spaßen nicht einhergeht in diesem Gespiele, da also zersetzen wir ihnen Urgrund wie Abgrund – und es ist ihnen nicht recht. Denn siehe wie mächtig uns’re Schar und verachtet doch niemand, ja sie ist mächtig von Kraft der Geschicht’.


