Ihr bescheidener Wohlstand aber weckt Begehrlichkeiten. Als die Bitten ihrer Mitmenschen zu Forderungen werden und sie ihre Hilfsbereitschaft hemmungslos missbraucht sieht, erschafft sie sich ein kapitalistisches Alter Ego: Sie schlüpft in die Rolle eines erfundenen Vetters namens Shui Ta, der ihre Interessen rigoros durchzusetzen weiß. Befreit vom Anspruch, moralisch zu handeln, baut Shen Te alias Shui Ta ein ausbeuterisches Tabakimperium auf. Auch hier stellt Brechts Parabel ihre Aktualität unter Beweis: Je skrupelloser das Vorgehen des erfundenen Vetters, desto schmerzlicher wird die gütige Shen Te von den Menschen in Sezuan vermisst.
Regie führt Oberspielleiterin Bernadette Sonnenbichler. Über »Der gute Mensch von Sezuan« sagt sie: »Brecht wird häufig als sehr rational bezeichnet, ich finde das Stück aber sehr emotional und durch die Musik von Paul Dessau sehr atmosphärisch. Mich interessieren die Parabel und das Märchenhafte daran.«
Musik von Paul Dessau in einer Bearbeitung von Tobias Vethake.


