Seide war Jahrhunderte lang das wertvollste Textil der Welt. Ausschließlich in China hergestellt, aus den kilometerlangen, mikroskopisch zarten Fäden des Kokons der Seidenspinnerlarve, erreichte es über seinen legendären Transportweg, die Seidenstraße, weltweit die wohlhabende Elite. Iván Pérez untersucht dieses exquisite Textil choreografisch und legt seinen künstlerischen Fokus auf dessen Einfluss auf den menschlichen Körper. Was passiert mit den Körpern, wenn sie mit diesem prunkvollen Stoff in Berührung kommen? Zu welcher Person, Figur oder gar Gottheit werden sie? Welchen Wert hat die Unterscheidung in männlich und weiblich in Bezug auf Seide?
Palomos forschende künstlerische Vision verwischt kreativ die Grenzen zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit – im Kontext dieser Arbeit spielt das auch auf die einzigartige Form der Geschlechtsbestimmung an, die beim Seidenspinner entdeckt wurde. Fasziniert von diesen Erkenntnissen und ausgehend von seiner früheren Betrachtung von Männlichkeit in »The Male Dancer«, bewegt sich Pérez mit »Silk« nun jenseits von binären Zuschreibungen und strickt geschmeidige Bewegungen zu einem komplexen choreografischen Gewebe.


