Das tut weh und geht so: Orgon, Vater der Familie und Licht, um das sich alles dreht, findet den charismatischen Unbekannten toll. Endlich passiert mal, was anderes als die gedehnte Mittelmäßigkeit. Schon will Orgon seine Tochter Mariane an Tartuffe verheiraten und als die nicht will – was soll's – halt die eigene Frau. Kollektiv stürzen alle in einen großen Redereigen, in dem Heuchelei, Doppelmoral, Konsumsucht, Selbstbetrug und Selbstoptimierung erst bis ins Detail zerlegt und dann wieder zusammengebaut werden.
PeterLichts Überschreibung des klassischen Molière-Stoffs ist eine rasant erzählte schwarze Komödie über Schweinemenschen und Menschenschweine, über Verkaufsstrategien und falsche Versprechen, über ein System der Blender und Verblendung, gut geschützt durch patriarchale Machtstrukturen und die Unvollkommenheit des Menschen. Mit turbulenten Textkaskaden voller irrwitziger Widersprüche demontiert Autor, Musiker und Gesamtkünstler PeterLicht uns alle – und demonstriert aufs Feinste, wie entlarvend und komisch zugleich beißende bürgerliche Selbstkritik sein kann. Anders als Molière nimmt er nicht eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe aufs Korn, sondern gleich unseren ganzen modernen Zeitgeist.
Peter Kastenmüller inszeniert den bösen Spaß mit Opulenz, Musik im sommerlichen Ambiente und gibt damit sein Regiedebüt in Schwerin.


