Das Hotel Savoy wird zur Metapher für die durch den Ersten Weltkrieg aus den Fugen geratene Welt. Gestrandete Existenzen, Soldaten, Bankrotteure, üble Profiteure, Künstler sowie Prostituierte haben sich dort eingefunden. Alle warten auf die Ankunft des Milliardärs Bloomfield aus Amerika. Vor allem der Kriegsheimkehrer Gabriel Dan setzt auf ihn große Hoffnungen. Bloomfield hat jedoch etwas ganz anderes im Sinn als die Rettung des Hotels Savoy. Das wird im Laufe dieses vielschichtigen Abends immer greller deutlich. Im Handlungsfaden dieses seltsamen Musiktheaters tauchen nahezu alle Komponisten der Silbernen Operettenära auf. Virtuos begleitet von der Musicbanda Franui erklingen Welthits wie 'Tanzen möcht' ich' aus Emmerich Kalmans 'Csarasfürstin', 'Meine Lippen, sie küssen so heiß' aus 'Giuditta' von Franz Lehar oder 'Da geh ich zu Maxim' aus 'Die Lustige Witwe' von Franz Lehar. Dabei kann sich gesanglich vor allem Josefin Feiler als Stasia profilieren.
Nach dreijähriger russischer Gefangenschaft ist Dan endlich frei. Von seinem Onkel Phöbus Böhlaug erhofft er sich Geld für seine Winterreise. Der geizige Onkel schenkt ihm nur einen blauen Anzug - und Gabriel Dan verliebt sich in die Varietetänzerin Stasia, für die auch sein Cousin Alexander Böhlaug schwärmt. Diese ist in den mittellosen Gabriel Dan vernarrt.
Die Stärke dieser Inszenierung besteht vor allem in den abwechslungsreichen Revuenummern, die die Handlung immer wieder ganz entscheidend vorantreiben. 'Ich hol' dir vom Himmel das Blau' aus der 'Lustigen Witwe' von Franz Lehar und 'Dann nehm ich meine kleine Zigarette' aus 'Der Orlow' sowie 'Heut könnt einer sein Glück bei mir machen' aus 'Madame Pompadour' von Leo Fall sind die weiteren temperamentvoll und voller Ironie dargebotenen Musiknummern.
Die Bühne und die Kostüme lassen die Welt der glutvollen zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts lebendig werden. Jeden Abend treffen sich hier im Hotel Savoy all die verkrachten Existenzen zu Musik und Tanz, ein recht starkes Bild. Neben dem von Boris Burgstaller virtuos gemimten finsteren Liftboy Ignatz gibt es hier auch den ehemaligen Souffleur Abel Glanz und den mit Ironie gespielten 'Lotterieträumer' Hirsch Fisch. In weiteren Rollen überzeugen Gabor Biedermann als verrückter Clown Santschin, die souverän mimte Revolutionärin Natascha, die robust verkörperten reichen Fabrikanten Kanner, Neuner und Schwadron sowie die ausgeflippte Varieteangestellte Jetti Kupfer, der von Josefin Feiler wunderbar dargestellte Magnetiseur Zlotogor und der nuancenreich dargestellte ehemalige Kriegskamerad Zwonimir.
Dieser Kosmos verschiedener Gestalten wird mit dem Unmut und Streik der Arbeiter und Kriegsheimkehrer konfrontiert. Zuletzt brennt das Hotel Savoy und die Bühne bricht zusammen - ein visueller Höhepunkt dieser Inszenierung. Diesem chaotischen Geschehen steht auch Bloomfield hilflos gegenüber. Das frappierende Schicksal dieser von den Nationalsozialisten vertriebenen erfolgreichen Musiker der Weimarer Republik könnte bei der Inszenierung stellenweise noch stärker in den Vordergrund treten. Trotz vieler gelungener Details überwiegt manchmal der skurrile Klamauk, dem der Zuschauer hilflos gegenübersteht.
Weitere Titel wie 'Irgendwo auf der Welt' aus 'Ein blonder Traum' von Werner Richard Heymann, 'Was kümmt moch die ganze Welt' aus 'Das Blaue vom Himmel' von Paul Abrahahm, 'O La La!' aus 'Der letzte Walzer' von Oscar Straus, 'Toujours L' Amour' aus 'Ball im Savoy' von Paul Abraham und 'Mehlspeis!!!' aus 'Das kleine Cafe' von Ralph Benatzky treiben das Geschehen weiter an. 'Reich mir zum Abschied noch einmal die Hände' aus 'Viktoria und ihr Husar' von Paul Abraham, 'Dein ist mein ganzes Herz' aus 'Das Land des Lächelns' von Franz Lehar, 'Lippen schweigen' aus 'Die lustige Witwe' von Franz Lehar, 'Irina's Lied' aus 'Rosen aus Florida' von Leo Fall und Erich Wolfgang Korngold sowie das 'Bloomfield-Medley' beweisen hier die darstellerische Beweglichkeit des Ensembles.
Mit Musik fliegen die Melodien von 'Rausch im Savoy', 'Bloomfield Trio' und 'Nach dem Rausch' flirrend über die Bühne. Die Inszenierung bietet zudem skurrile Nacktmädchen und Bedienstete. Viel Applaus und 'Bravo'-Rufe für diese Koproduktion. In einer Sequenz hört man sogar Ausschnitte aus Dmitri Schostakowitschs 'Leningrader Sinfonie' Nr. 7.


