Ihre Erfahrungen verzahnt sie mit dem kollektiven Gedächtnis und der Summe der Prägungen ihrer Generation. Prägungen, die, obgleich radikal subjektiv, vielleicht gerade deshalb universell sind. Von der Kindheit in der Nachkriegszeit, dem Milieuwechsel aus der ärmlichen Provinz in die großstädtische intellektuelle Mittelschicht, über den von Rückschlägen gekennzeichneten Kampf für Emanzipation und Selbstbestimmung, Familiengründung, den Aufbruch der 68er, die Ankunft in der Konsumgesellschaft – immer wieder sind die politischen Entwicklungen, Ereignisse und Krisen mit den persönlichen verwoben – bis in das beginnende 21. Jahrhundert. Annie Ernaux ist dabei alles andere als eine Bescheidwisserin. Sie bleibt immer eine Suchende im großen Kontext des gesellschaftlichen Wandels. Und findet einen Weg, das Vergehen der Zeit zu vergegenwärtigen, als einen vielstimmigen Zeit-Fluss, der uns mitreißt.
Annie Ernaux, geboren 1940, bezeichnet sich als „Ethnologin ihrer selbst“. Sie ist eine der bedeutendsten französischsprachigen Schriftstellerinnen der Gegenwart, ihre zwanzig Romane sind von Kritik und Publikum gleichermaßen gefeiert worden. 2022 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur.
Die Regisseurin Jette Steckel, die über die Jahre mit siebzehn Inszenierungen das Thalia entscheidend geprägt hat, bringt „Die Jahre“ zum Abschluss mit großem Ensemble auf die Bühne.
aus dem Französischen von Sonja Finck in einer Bühnenfassung von Jette Steckel und Julia Lochte
Regie: Jette Steckel, Bühne: Florian Lösche, Kostüme: Pauline Hüners, Musik: Anna Bauer, Video: Zaza Rusadze, Choreografie: Dominika Knapik, Dramaturgie: Julia Lochte


