Ein Spalt tut sich auf, wie eine Klappe im Boden, von Landschaft überwuchert. Ein Spalt zwischen Raum und Zeit, der hineinführt in die totale Präsenz, wo die Gesetze der linear gedachten Identität nicht mehr gelten. Ein Zustand der Schlaflosigkeit, der die Sinne überweit öffnet. Für die eigene Begierde, Angst und Abgrund, eine Sehnsucht nach Erlösung – für den eigenen Vampirismus.
Sivan Ben Yishai schickt in Die tonight, live forever oder das Prinzip Nosferatu Menschen auf einen atemlosen Trip, bei dem das vampiristische Selbst die Regie übernimmt. Eine junge Frau verlässt ihre Therapiesitzung und gerät in den heillosen stream-of-consciousness ihrer Selbstüberforderung. Bis sie einen Tumor in sich als Ansprechpartner findet – alles wonach sie sich sehnt.
Ein schwuler Makler sitzt in der heteronormativen, properen Provinz fest, soll teure Häuser an reiche Leute verkaufen. Schlaflos im Hotelzimmer findet er online seine Pforte der Wahrnehmung, Sex und Drogen und eine rasende Fahrt in die Katakomben von Paris, in die Stadt der Toten. Eine Andere, unendlich müde, erschöpft von der Arbeit, wird von zwei gesichtslosen Motorradfahrern mitgenommen. Unter ihrem glänzenden Helm findet sie sich wieder im Spiegelkorridor ihrer eigenen Albträume und Ängste.
Inspiriert von dem Stummfilm „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“ (1922) von Friedrich Wilhelm Murnau erzählt Die tonight, live forever von den zeitgenössischen Wiedergängern. Diese „children of late capitalism“ haben das Prinzip Nosferatu längst in sich selbst implantiert und geben sich süchtig ihrer Selbstausweidung hin.
Ein Ensemble aus Tänzer*innen und Schauspieler*innen ermächtigen sich des Nosferatu-Stoffes mit aller Sprach-, Körper- und Bildgewalt.
Das Uraufführungs-Projekt entstand in enger Zusammenarbeit einer Autorin, einer freien Tanzkompagnie und eines Stadttheater-Ensembles. Es ist der erste von zwei Teilen der Zusammenarbeit von backsteinhaus produktion, Theater Lübeck und Theater Rampe, von Choreografin Nicki Liszta und Regisseurin Marie Bues. Die tonight, live forever hatte bereits am Theater Lübeck Premiere und wird fortgesetzt.
Die Koproduktion von backsteinhaus produktion, Theater Lübeck und Theater Rampe ist gefördert im Fonds Doppelpass der Kulturstiftung des Bundes.
Übersetzung
Maren Kames
Regie & Choreografie
Marie Bues
Nicki Liszta
Produktionsleitung, Künstlerische Assistenz
Isabelle Gatterburg
Dramaturgie
Anja Sackarendt
Musik
Heiko Giering
Bühne & Kostüm
Claudia Irro
Video
Christopher Bühler


