Ein Stück eigener Geschichte stellt Giacomo Puccini in seinem Welterfolg dar. Während seines Studiums in Mailand erging es ihm wohl genauso wie Mimì und Rodolfo, Marcello und Musette: Das Leben war ein Rausch aus Leichtigkeit und Freiheit, Müßiggang und kreativem Schaffen – gepaart mit Entbehrungen und der Sehnsucht nach Sinn, Erfüllung und überdauerndem Glück.
Mitten im Winter, kein Geld für eine Heizung – in einem Pariser Atelier versuchen der Dichter Rodolfo und der Maler Marcello zu arbeiten. Colline, der Philosoph der Wohngemeinschaft, hat auch nichts auftreiben können. Der Vierte im Bunde, der Musiker Schaunard, war erfolgreicher, das Geld wird für einen Besuch im Café Momus reichen. Während die anderen fort sind, bleibt Rodolfo zu Hause und wird von Mimì, der Nachbarin, "gestört", deren Kerze ausgegangen ist.
So scheinbar banal beginnt Puccinis Oper. Und doch zeichnet Puccini mit der ganzen Kraft seines musikalischen Farbenreichtums ein spannendes und äußerst aktuelles Psychogramm des modernen Menschen: vom Suchen nach Sinn und Aufgabe, von der Unfähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, von der Zerbrechlichkeit der Liebe, von Freundschaft, Eifersucht und Einsamkeit.