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Faust

Uraufführung/Premiere am 23. November 2019
Die Arbeit am Faust-Stoff geriet für Johann Wolfgang von Goethe zur unendlichen Geschichte. Annähernd 60 Jahre liegen zwischen seinem »Urfaust« und dem Abschluss des »Faust II«. In den unterschiedlichen Arbeitsetappen spiegelt sich der Wandel der Zeit sowie Goethes eigene Erkenntnisse und Ernüchterungen.

Er beschrieb die Unmöglichkeit, diesen komplexen Stoff, der vom Himmel durch die Welt zur Hölle führe, auf eine einzige Idee herunterzubrechen. Sein »Faust« erfuhr in seiner über 200-jährigen Rezeptionsgeschichte die unterschiedlichsten Deutungen.

Malte Kreutzfeldt hat eine Neuinterpretation des Faust-Themas inszeniert. Kreutzfeldts »Faust« wird in seiner Ästhetik und thematischen Schwerpunktsetzung eine Weiterführung seiner »Steppenwolf«-Inszenierung sein. Stefan Eichberg spielt den Faust, Oliver Firit sein teuflisches Alter Ego Mephisto.

Ähnlich wie Hesses Harry Haller ist Faust am Beginn des Stückes ein frustrierter Intellektueller, der kurz davor steht, seinem Leben ein Ende zu setzen. Ob Philosophie, Medizin, Juristerei oder Theologie – alles hat er studiert und muss doch erkennen: »Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug als wie zuvor.« Das Gefühl, nichts wissen zu können, treibt ihn in die Verzweiflung. Er verlässt den Weg der Wissenschaft und widmet sich der Magie. Aber der von ihm heraufbeschworene Erdgeist, den er um Hilfe bittet, lacht ihn nur aus.

Doch schon ist Mephisto unterwegs zu ihm. Denn der Herr und Mephistopheles haben eine Wette zu laufen und Faust zum Präzedenzfall erkoren, um zu erfahren, ob die Menschen ihre Vernunft wohl zu gebrauchen wissen oder ob sie diese nur benutzen, um noch »tierischer als jedes Tier zu sein«, wie Mephisto behauptet. Der Herr indes will beweisen: »Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange/ Ist sich des rechten Weges wohl bewusst.« Mephisto, der »Geist, der stets verneint«, wendet alle List auf, um Faust vom rechten Wege abzubringen. Er bietet Faust einen Pakt an, will ihm zeigen, was nie ein Mensch zuvor erlebt hat. Faust willigt ein und verspricht seine Seele dem Teufel, sollte einst der Tag kommen, an dem er sich beruhigt aufs Faulbett legt und zum Augenblicke sagt: »Verweile doch, du bist so schön«.

Zunächst möchte Faust von Wissenschaft aber nichts mehr wissen, stattdessen Verpasstes nachholen und in den »Tiefen der Sinnlichkeit seine Leidenschaften stillen«. Mit Hilfe einer Hexe verjüngt, ist die Frage »Was die Welt im Innersten zusammenhält« ganz uninteressant geworden. All seine Begierde richtet sich auf die Eroberung des blutjungen, bildschönen Gretchens, das Mephisto ihm mit List zuführen muss. Denn über ein so unschuldiges Wesen hat selbst der Teufel keine Gewalt.

Malte Kreutzfeld empfindet es als großes Geschenk, die beiden verwandten Stoffe, Hesses »Steppenwolf« und Goethes »Faust« hintereinander auf die Bühne bringen zu dürfen. In den »Steppenwolf«-Protagonisten Harry Haller und Hermine erkennt Kreutzfeldt die zwei Seiten einer Persönlichkeit, die ihre Vorbilder in den Figuren Faust und Mephisto finden – als Dualismus der bejahenden und verneinenden Seelenkräfte des Menschen. Er möchte Faust als Figur zeichnen, die auf ihrer Reise durch die kleine und die große Welt den Kampf und die Einheit dieser Gegensätze in sich selbst erlebt, erkennt und akzeptiert. »Faust geht quasi einen Pakt mit seinem bösen Ich ein. Die vielen Seiten einer Persönlichkeit kennt jeder an sich«, sagt Kreutzfeldt. »Mal ist die eine stärker, mal die andere. Im Idealfall sind sie in einem produktiven Konflikt miteinander.«

Auch in ihrer gesellschaftlichen Dimension sieht der Regisseur Parallelen in beiden Texten. Die Auseinandersetzung mit den Schattenseiten des industriellen Fortschritts, die Fragen nach Schuld und Verantwortung des Einzelnen, nach Liebe, Willensfreiheit und nach den Grenzen der Wissenschaft verbinden diese beiden Meilensteine der deutschen Literatur und finden sich in den aktuellen politischen Debatten wieder.

Mitwirkende

Ben Baur(Regie)
Uta Meenen(Kostümbild)
Michael Balke(Musikalische Leitung)
Arthur Espiritu(Sänger/in)
Sophia Brommer(Sänger/in)
Tadas Girininkas(Sänger/in)
Shea Owens(Sänger/in)
Jennifer Panara(Schauspieler/in)
Taisiya Labetskaya(Schauspieler/in)
Samuli Taskinen(Schauspieler/in)
Michael Vogel(Dramaturgie)
Robina Steyer(Choreografie)
Marius Bolten(Dramaturgie)
Stefan Eichberg(Schauspieler/in)
Oliver Firit(Schauspieler/in)
Romy Klötzel(Schauspieler/in)
Johanna Sembritzki(Schauspieler/in)
Frank Lienert-Mondanelli(Schauspieler/in)
Sabine Unger(Schauspieler/in)
Sven-Marcel Voss(Schauspieler/in)
Marek Egert(Schauspieler/in)
Christine Appelbaum(Theaterpädagogik)
Nina Sievers(Bühnenbild)
Christine Hielscher(Kostümbild)
Dr. Mirjam Meuser(Dramaturgie)

Spielzeiten

Samstag, 23. November 2019 (Premiere / Uraufführung)
Dienstag, 26. November 2019
Sonntag, 08. Dezember 2019
Mittwoch, 11. Dezember 2019
Freitag, 13. Dezember 2019
Freitag, 20. Dezember 2019
Samstag, 28. Dezember 2019
Freitag, 03. Januar 2020
Mittwoch, 22. Januar 2020
Donnerstag, 23. Januar 2020
Donnerstag, 06. Februar 2020
Samstag, 08. Februar 2020
Freitag, 14. Februar 2020
Sonntag, 23. Februar 2020
Samstag, 29. Februar 2020
Sonntag, 01. März 2020 (Matinee)
Donnerstag, 19. März 2020
Dienstag, 31. März 2020
Mittwoch, 15. April 2020

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