Auch die Hauptfigur Kieninger, ein Wiener, wohnt in diesem Haus. Sie ist das zweite Zentrum der Geschichte. Mit ihr hadert der Ich-Erzähler, weil seine Figur nichts von sich preisgeben möchte. Beständig dichtet er ihr Eigenschaften an und verwirft sie wieder. Beide Geschichten – die des Hauses und die Kieningers – werden vom Erzähler gelenkt. So ist das Publikum seinen Launen hoffnungslos unterworfen und wird allmählich Teil eines komplexen Systems, das vom Erzählen selbst erzählt und nach dem Sinn unserer Existenz sucht.
Erstmals wird Peter Bichsels Werk «Die Jahreszeiten» für die Bühne adaptiert. 1965 erhielt der Schweizer Autor dafür den Preis der Gruppe 47, zu der auch Heinrich Böll, Ingeborg Bachmann, Martin Walser und Paul Celan gehörten. Mit seinem scharfen Blick für das Alltägliche, einer leichten Kleinstadt-Melancholie und feinem Humor hinterfragt der Autor darin die Sinnhaftigkeit unseres Tuns und zeigt, wie lebensnotwendig das Geschichtenerzählen ist.
Deborah Epstein bringt «Die Jahreszeiten» von Peter Bichsel mit professionellen Schauspielerinnen und Schauspieler und einer Gruppe junger Erwachsener auf die Theaterbühne, die sich extra für diese Produktion aus ehemaligen Jugendclubmitgliedern gebildet hat. Den Sprachspielen des Autors begegnet die Regisseurin im Team mit Florian Barth (Bühne, Kostüme, Video) mit Freude an Entdeckungen, Spiel und Improvisation. Dabei schafft die Inszenierung eine dichte Atmosphäre, die hinter all den vermeintlich banalen Geschichten den Sinn unserer Existenz sucht.
Bereits zum zweiten Mal beschäftigt sich die Regisseurin im Rahmen einer Inszenierung am TOBS mit dem vielschichtigen Werk des Autors. Ihre Uraufführung «Mit wem soll ich jetzt schweigen? Eine Bühne für Bichsel» war vor zehn Jahren ein grosser Erfolg und wird einigen im Gedächtnis geblieben sein.
Mit freundlicher Unterstützung durch die Elisabeth Bachtler-Stiftung.


