Das tragische Ende verweist auch nicht auf eine Änderung des Systems, Macbeth ist Produkt und Repräsentant dieser Sozialordnung. Es geht um das ewig gleiche Prinzip von Machtergreifung und -erhalt, in dem Macbeth gefangen ist: Macbeth erscheint selbst als der Schlächter im Dienst einer fremden (Duncans) Sache, der mit dem Königsmord lediglich den Schritt geht – vom fremdbestimmten Schlachten zum selbstbestimmten Morden.
Müller wendet sich gegen die tradierte Rezeption: Er drängt die Psychologie der Gewissensqualen rigoros an den Rand und erzählt in äußerster Verknappung die Story eines brutalen und blutigen feudalen Machtkampfs. Wo in der Shakespeare-Rezeption vom Seelendrama gesprochen wurde und wo man göttliches Fatum walten sah, wird in Müllers Adaption der Tragödie der blutrünstige Macbeth zu einer im Räderwerk des blutigen Geschichtslaufs gefangenen Figur.


