Paul lebt in einer Welt der Erinnerung an seine verstorbene Frau Marie. Als er die Tänzerin Marietta trifft, die Marie ähnelt, wird seine Fantasie entfesselt. Doch Marietta beginnt, gegen die Präsenz von Marie in Pauls Leben zu kämpfen.
Paul vergisst sich und tötet sie. Doch das alles war wohl nur ein Traum. Denn jetzt steht sie wieder vor seiner Tür: Marietta, lebendig, leibhaftig und ein Fluidum für Männerfantasien. Korngold ist erst 23 Jahre alt, als 1920 "Die tote Stadt" zur glanzvollsten Uraufführung der jungen Weimarer Republik wurde. Die Oper traf in ihrer kühnen Mischung aus Traumspiel, Dekadenzstudie und Psychodrama den vom Ersten Weltkrieg traumatisierten Zeitgeist ins Mark. Regisseur Armin Petras und Generalmusikdirektor Yoel Gamzou setzen mit dem mal unheimlich düster, mal übersüß-euphorisch und üppig orchestrierten Werk ihre mit "Lady Macbeth von Mzensk" begonnene Zusammenarbeit fort.
Text von Paul Schott frei nach Georges Rodenbachs Roman "Bruges-la-Morte".